Samstag, 25. Juli 2015

Was ist eigentlich ein DFB-Stützpunkt?

Manchmal hört man im Training oder bei Spielen von DFB-Stützpunkten und von Spielern, die dort spielen. Da nicht allen klar ist, was das ist, hier mal eine kurze Erklärung.

Die DFB-Stützpunkte sind ein Netz von Talentscounts, die von ausgewählten Trainern geleitet werden. Beim Fußballverband Rheinland, zu dem wir gehören, gibt es 9 Stützpunkte. Der für uns zuständige DFB-Stützpunkt ist in Selters.

Spieler, die im Verein besonders auffallen, können beim DFB-Stützpunkt vorspielen und dann eventuell am Stützpunkt-Training teilnehmen.

Was erwarten die DFB-Stützpunkte von einem Spieler?
  • Initiative
  • Viele Überraschungsmomente im Spiel
  • „Mitspielen” in jeder Situation – auch weit weg vom Ball
  • Schnelles Erfassen der Spielsituation
  • Vorausschauendes Erkennen von Situationen (Antizipieren)
  • Schnelles Umschalten
  • Eigenverantwortung
  • Selbstvertrauen
  • Risikofreude
  • Positive Körpersprache (ein „Typ”)
  • Helfen/Motivieren von Mitspielern – Teamorientierung
  • Durchsetzungswillen
  • Selbstkritik und stetige Lernbereitschaft
  • Disziplin/Konzentration
  • Leichte und flüssige Bewegungen
  • Wendigkeit: schnelle und geschickte Richtungswechsel
  • Geschicktes Ausbalancieren des Körpers/Gleichgewichts
  • Leichtfüßige, variable Bewegungen am und mit Ball
  • Spielübersicht – Blick für die Situation
  • Kreatives Lösen von Situationen
  • Beidfüßigkeit
  • Sicherheit am Ball – wenige Ballverluste auch bei Tempo und unter Druck
  • Variantenreiches Dribbeln
  • Präzise und variable Zuspiele über kurze/lange Distanzen
  • Präzise und variable Torschüsse
  • An- und Mitnehmen von Bällen
  • Repertoire an Finten
  • Kopfballspiel
  • 1 gegen 1 in der Offensive (erfolgreiche Ausspielaktionen, „schwer vom Ball zu trennen”)
  • 1 gegen 1 in der Defensive (Stellungsspiel, „schwer zu umspielen”)
  • Lösen vom Gegner
  • Anspielbereitschaft
  • Zusammen agieren (zeitlich-räumliche Abstimmung)
  • Gutes Stellungsspiel im Raum
  • Variabler Torschuss
  • Antrittsschnelligkeit („Spritzigkeit”)
  • Schnelligkeit auf Distanz
  • Bewegungsgeschicklichkeit
  • Intensive Laufaktivitäten über die komplette Spielzeit/ über ein Turnier (Ausdauer)
Was bringt das Training im Stützpunkt?

In erster Linie ist das Stützpunkttraining eine zusätzliche Trainingseinheit, die der Verbesserung der fußballerischen Fähigkeiten dienen soll. Theoretisch dienen die DFB-Stützpunkte dazu, langfristig mögliche Kandidaten für eine Jugend-Nationalmannschaft zu ermitteln, aber praktisch ist das quasi ausgeschlossen.
Hier mal ein Rechenbeispiel:
  • Es gibt 9 DFB-Stützpunkte beim FV Rheinland. In der D-Jugend sind das 9x25 talentierte Spieler, insgesamt also 225 Spieler.
  • Auf den Meldebogen der Verbandsauswahl (die nächsthöhere Stufe) passen 14 Spieler. Es besteht also eine theoretische Chance von 6,2%, dass man weiter kommt.
  • Bei 21 regionalen Fußballverbänden in Deutschland ergibt sich eine ungefähre theoretische Chance für einen Stützpunktspieler, in eine Jugendnationalmannschaft berufen zu werden, von 0,25%.
  • Allerdings: Das ist nur eine theoretische Chance. Praktisch werden die Nachwuchsspieler der Bundesligavereine, die nicht am DFB-Stützpunkt-Training teilnehmen, immer bevorzugt. In der Regel deshalb, weil sie noch besser sind.
Also lieber direkt bei einem Bundesligisten spielen?

Wenn man den Plan hat, Profifussballer zu werden, dann sollte man zusehen, möglichst früh in einen Profikader zu kommen. Das DFB-Stützpunkt-Training findet für Jugendliche bis zur U15 statt. Bis dahin sollte man es geschafft haben, bei einem großen Verein wie Köln, Mainz, Kaiserslautern oder Bayer Leverkusen unterzukommen.

Hat man das geschafft, muss man beständig volle Leistung erbringen, immer zum Training kommen (ca. 3-4 mal plus mindestens 1 Spiel pro Woche), immer da sein und vor allem weiterhin herausragen, auch wenn die Konkurrenz immer härter wird. Nur die, die unter den sehr guten herausragen, kommen weiter. Auch dann hat man es nicht geschafft.

Zum Beispiel stand die A-Jugend Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern stand in der Saison 10/11 im Endspiel der deutschen Meisterschaft gegen 1860 München. Das waren alles Spieler, die besonders gut waren. Aus diesem Kader haben es 2 Jungs geschafft, bei den Profis mitzutrainieren. Allerdings ohne einen Einsatz zu bekommen.

Mittlerweile sind auch diese beiden weg vom Fenster. Die rechnerische Wahrscheinlichkeit, es zu schaffen, liegt bei Nahe 0%, selbst wenn man wirklich sehr, sehr gut ist und sehr, sehr viel Zeit investiert und nichts anderes mehr macht.

Wozu die ganze Rechnerei?

Fußball soll Spaß machen. Wir möchten Spiele gewinnen und leistungsorientert arbeiten. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es ein Hobby ist und allen Spaß machen soll. Super ist es, wenn jeder sich verbessern will und Einsatz zeigt. Fußball ist ein Mannschaftssport, bei dem man gemeinsam gewinnt und gemeinsam Spaß hat. Das wollen wir erreichen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wenn es also einer der Jungs schafft, beim DFB-Stützpunkt zu trainieren: Nehmt es in erster Linie als Chance, euch persönlich weiter zu entwickeln und für euch zu lernen.

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